Glasfaserausbau in Niedersachsen: Deutliche Fortschritte, aber Nachholbedarf bei der Nutzung

Niedersachsen hat beim Glasfaserausbau im vergangenen Jahr kräftig aufgeholt. Nach aktuellen Zahlen können inzwischen rund 67 Prozent der Haushalte im Land auf einen Glasfaseranschluss zugreifen – deutlich mehr als der bundesweite Durchschnitt von knapp 53 Prozent. Doch die tatsächliche Nutzung hinkt hinterher: Nur rund 31 Prozent der Haushalte haben den Anschluss bislang auch aktiv in Betrieb genommen.

Die Zahlen stammen aus der BREKO-Marktanalyse 2025, die jährlich einen Überblick zum Ausbaugeschehen in Deutschland gibt. Besonders positiv fällt dabei auf, dass Niedersachsen mit einem Zuwachs von über 19 Prozentpunkten bei der Ausbauquote („Homes Passed“) zu den am schnellsten wachsenden Flächenländern zählt. So haben viele Projekte im ländlichen Raum dazu beigetragen, die digitale Versorgung spürbar zu verbessern.

Deutschland im Überblick: Glasfaserausbau schreitet voran

Die bundesweiten Ergebnisse der Marktanalyse verdeutlichen, dass die Branche trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten stark investiert:

  • Gesamtinvestitionen im TK-Markt: 15,3 Milliarden Euro, davon rund zwei Drittel durch Wettbewerber getragen
  • Verfügbarkeit von Glasfaseranschlüssen („Homes Passed“): 52,8 Prozent (+9,6 Prozentpunkte, 24,3 Mio. Anschlüsse)
  • Tatsächlich angeschlossene Haushalte („Homes Connected“): 27,3 Prozent (+4,5 Prozentpunkte, 12,55 Mio. Anschlüsse)
  • Weitgehend konstantes Verhältnis der Anteile von Wettbewerbern und der Deutschen Telekom in den einzelnen Ausbaustufen: „Homes Passed“: 59 Prozent (DTAG 41 Prozent); „Homes Connected“: 70 Prozent (DTAG 30 Prozent); „Homes Activated: 74 Prozent (DTAG 26 Prozent)
  • Nutzung („Take-Up-Rate“): bundesweit 27 Prozent, bei Wettbewerbern (34 Prozent) deutlich höher als bei der Telekom (15 Prozent)
  • Kooperationen: 90 Prozent der Unternehmen setzen auf Zusammenarbeit, um den Netzausbau effizienter zu gestalten und Doppelausbau zu vermeiden
  • Herausforderung Mehrfamilienhäuser: 71 Prozent der Netzbetreiber sehen hier fehlende Kooperationsbereitschaft von Eigentümer*innen als größte Hürde

Die Marktanalyse enthält einen Ausblick bis 2030: Die Ausbauquote könnte bundesweit auf 82 bis 92 Prozent steigen, während der Anteil der tatsächlich ans Glasfasernetz angeschlossenen Gebäude auf 54 bis 64 Prozent geschätzt wird. Insgesamt beschleunigt sich der Glasfaserausbau in Deutschland also weiter, was v. a. auf den Investitionen der Wettbewerber sowie zunehmende Kooperation in der Branche zurückzuführen ist.

Herausforderung: Diskrepanz zwischen Ausbau und Nutzung

Im bundesweiten Ranking führt Schleswig-Holstein mit einer Ausbauquote von 92,7 Prozent, gefolgt von Hamburg (90,8 Prozent) und Bremen (79,7 Prozent). Niedersachsen hat derweil aufgeholt und liegt auf dem vierten Platz. Trotz dieser positiven Entwicklung zeigt sich in Niedersachsen – wie auch bundesweit – eine deutliche Lücke zwischen technischer Verfügbarkeit und tatsächlicher Nutzung („Homes Connected“). Während die Ausbauquote kontinuierlich steigt, bleibt die Anschlussquote hinter den Erwartungen zurück. Die Ursachen sind vielfältig – von höheren Kosten für den Hausanschluss über mangelnde Nachfrage bis hin zu komplizierten Genehmigungsverfahren. Fachleute weisen darauf hin, dass gezielte Informationskampagnen, attraktive Tarife und vereinfachte Abläufe notwendig sind, um mehr Haushalte von der Glasfaser zu überzeugen.

Ausblick

Mit dem kräftigen Ausbauzuwachs der letzten Monate hat Niedersachsen einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht. Nun kommt es darauf an, die bestehende Lücke zwischen Verfügbarkeit und tatsächlicher Nutzung zu schließen. Nur wenn mehr Haushalte den Glasfaseranschluss auch aktiv buchen, kann das Land die Potenziale der Digitalisierung voll ausschöpfen.

Hier erfahren Sie mehr über die BREKO Marktanalyse.